So, 11.11.01:
ALEMANNIA A - 1.FC Bocholt 0:1 (0:0)
Hodulik - Mathes, Tümmler, Meulenberg, Azmaz - Morton, Schäfer, Keller, El Hammouchi - Telle, Iddi (73. Hansen)
(Trainer: Dooley)
Kirn - Middelkamp, H. Katemann, Schaaf - Büssing, Aschendorff, Stempel (69. Röder), Hinz, Guzik (76. Scharf) - Giruc (86. Lütkebomert), Sesterhenn
(Trainer: Tenhagen)

Zuschauer: 200 (ca. 45 aus Bocholt)
Gelb: Keller, Azmaz, Meulenberg - Stempel
Gelb-Rot: Morton (66.; wiederholtes Foulspiel), Tümmler (89.; wiederholtes Foulspiel) - Aschendorff (70.; wiederholtes Foulspiel)

0:1 Hinz (55.; Foulelfmeter)



Ohne die zahlreichen Verletzten sowie den nach seiner roten Karte in Ratingen gesperrten Ali Gülez mussten unsere Amateure gegen den 1.FC Bocholt antreten, bei dem mit Martin Guzik ein alter Bekannter spielt, dem in den ersten Saisonspielen meistens eine starke Leistung bescheinigt wurde. Durch das Fehlen von Gülez stellte sich die Mannschaft fast von selbst auf; Marc Keller rückte für Gülez ins Mittelfeld, während Baba Iddi neben Metin Telle im Sturm von Beginn an spielte. Als einzige echte Alternative auf der Ersatzbank blieb Alan Hansen. Stefan Tümmler spielte wiederum im Abwehrzentrum, wo er zuletzt seine Sache sehr gut gemacht hatte, während Christian Schäfer, nachdem er in den letzten Spielen in der Vorwärtsbewegung eher überzeugen konnte als in der Defensive, seinen Platz im rechten Mittelfeld fand.
Das Spiel begann mit einem vorsichtigen Abtasten beider Mannschaften. Marc Keller hatte nach zwölf Minuten den ersten Ansatz einer Chance, aber sein Drehschuss nach einer Ecke von Bart Meulenberg blieb in der vielbeinigen Bocholter Abwehr hängen. Mitte der ersten Halbzeit wurde es dann vor dem Aachener Tor zum ersten Mal richtig gefährlich. Nach einem von in der ersten Halbzeit drei kapitalen Fehlern von Bart Meulenberg musste Petr Hodulik Kopf und Kragen riskieren, um 16 Meter vor seinem Tor gegen einen frei vor ihm auftauchenden Bocholter zu klären. Den als Heber angesetzten Nachschuss aus 25 Metern konnte Stefan Tümmler gerade noch per Kopf auf der Linie klären. Drei Minuten später folgte die größte Chance für Aachen in der ersten Hälfte. Einen schönen Diagonalpass von Metin Telle hämmerte Kris Morton per Direktabnahme an die Unterkante der Latte. Bis zur Pause hatte Bocholt noch zwei weitere gute Einschusschancen, während auf der Gegenseite Marc Keller mit einem Kopfball ins linke untere Eck nach Flanke von Aytac Azmaz an Torhüter Frank Kirn scheiterte.
Zehn Minuten nach der Pause ging ein Schussversuch eines Bocholters knapp am rechten Pfosten vorbei. Da der Schiedsrichter wohl der Meinung war, ein Aachener sei noch am Ball gewesen, gab es Eckball. Als der in den Strafraum getreten wurde, war plötzlich ein Pfiff zu hören, und der Schiedsrichter zeigte zum Entsetzen der Aachener Spieler und Fans auf den Elfmeterpunkt. Niemand hatte gesehen, warum, jedenfalls bekam Marc Keller die gelbe Karte gezeigt. Der im Vergleich zu den letzten Spielen stark verbesserte Petr Hodulik war am von Carsten Hinz getretenen Strafstoß zwar noch dran, konnte das 0:1 aber nicht verhindern. Mitte der zweiten Halbzeit leistete sich der mit Gelb vorbelastete Kris Morton ein dummes Foul, das zurecht mit Gelb-Rot bestraft wurde. Somit war dies das dritte Spiel in Folge, das man nicht zu elft beenden konnte, Folge von Undiszipliniertheiten und auch oft schlicht Dummheit. Immerhin hatte man gegen Bonn zu zehnt besser gespielt als zu elft und konnte noch einen Rückstand aufholen, vielleicht ging ja auch dieses Mal noch was.
Zunächst folgten aber zwei weitere gute Einschussmöglichkeiten für den 1.FC Bocholt. Bei der zweiten stieg Marcel Aschendorff im Nachsetzen allzu rücksichtslos gegen Petr Hodulik ein und sah ebenfalls die gelb-rote Karte. Nun nicht mehr in Unterzahl, blies die Alemannia zehn Minuten vor dem Ende nochmal zur Schlussoffensive. Ein Angriff über die linke Seite landete bei Metin Telle, der den Ball im Sechzehnmeterraum nicht unter Kontrolle bekam, aber irgendwie im Stolpern so angeschossen wurde, dass sich der Ball über den herauseilenden Torwart hinweg, aber leider schon wieder gegen die Unterkante der Latte, hob. Zweimal Latte in einem Spiel - das war eigentlich schon Grund genug zum Haareausraufen, aber Telles Lattentreffer war erst der Beginn einer beinahe unglaublichen Kombination von Pech und Unvermögen. Eine Ecke von rechts wurde auf Aytac Azmaz verlängert, der am langen Pfosten drei Meter vor dem Tor stehend das Kunststück fertigbrachte, nicht das leere Tor, sondern den Pfosten zu treffen. So langsam schwanden jetzt die Hoffnungen, wenigstens noch einen Punkt zu holen, als Christian Schäfer sich drei Minuten vor dem Ende aus gut 20 Metern ein Herz fasste. Den Zuschauern stockte der Atem, als der Bocholter Torwart sich vergebens streckte, aber eigentlich hätten sie wissen müssen, was kam: der Ball sprang vom linken Torpfosten ins Feld zurück. Eine Minute später sah dann noch Stefan Tümmler wegen einer Nichtigkeit Gelb-Rot, außerdem noch Bart Meulenberg Gelb wegen Meckerns und einige Bocholter nach Fouls und Ballwegschlagen überhaupt keine Karte.
So entlud sich nach dem Schlusspfiff der Frust erst am Schiedsrichter, dann an den Bocholter Zuschauern (bei denen bezeichnenderweise auf zwei von drei Zaunfahnen das Wort "Troublemakers" zu lesen war). Obwohl es weder in der Türkei noch in Marokko Regenwald gibt, waren Metin Telle und Raschid El Hammouchi von einigen Bocholter Spinnern während des Spiels mit Urwaldgeräuschen provoziert worden. So kam es noch zu einem kleinen Handgemenge, und auf dem Weg der Bocholter zu ihrem Fanbus zu einigen Schubsereien. Viel Aufregung um nichts eigentlich. Was hingegen im Gedächtnis bleibt, ist die äußerst unglückliche Niederlage gegen einen starken Gegner, gegen den ein Punkt verdient gewesen wäre. Das Spiel erinnerte fatal an das 1:1 der Profis in Mannheim vor zwei Jahren, wo man auch viermal Pfosten und Latte getroffen hatte. Früher auf dem Bolzplatz haben wir immer Lattenschießen gespielt. Pro Pfostentreffer gab es einen Punkt, pro Lattentreffer zwei Punkte. Ich will unserer Mannschaft aber gar nicht unterstellen, dass sie das letzte Woche im Training gespielt haben, denn absichtlich klappt das nie im Leben so gut wie heute.

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