Sa, 16.12.06:
ALEMANNIA - Hamburger SV 3:3 (0:1)
Straub - Stehle (65. Ibisevic), Herzig, Klitzpera, Leiwakabessy (87. Krontiris) - Heidrich, Lehmann (65. Pinto), Reghecampf, Fiel, Schlaudraff - Ebbers
(Nicht - Sichone, Casper, Dum / Frontzeck)
Wächter - Schmidt, Reinhardt, Mathijsen, Benjamin - Laas, Jarolim, Mahdavikia (89. Klingbeil), Trochowski (84. Karl) - Sanogo, Berisha (69. Ljuboja)
(Kirschstein - Hennings, Feilhaber, Guerrero / Doll)

Zuschauer: 20800 (ausverkauft; ca. 2000 aus Hamburg)
Gelb: Klitzpera, Leiwakabessy, Ibisevic - Laas, Jarolim

0:1 Berisha (32.)
1:1 Reghecampf (62.; Foulelfmeter; Klitzpera)
1:2 Benjamin (67.)
1:3 Ljuboja (76.)
2:3 Fiel (77.; Pinto, Reghecampf)
3:3 Reinhardt (90.; Eigentor; Schlaudraff)



Zum Abschluss der Hinrunde gab es das Spiel gegen den Verein, der wie kein anderer für die Bundesliga steht - seit 1963 nie abgestiegen, nun aber endlich auf bestem Wege. Für die Alemannia stand schon vorher fest, dass man auf einem Nichtabstiegsplatz überwintern würde. Mit einem Sieg hätte man sich ein Polster verschaffen und punktemäßig sogar Sülz 07 in der 2. Liga überrunden können, die am Vortag zur allgemeinen Belustigung mit 11 gegen 9 eine Führung verspielt hatten.
Der HSV hatte seit ungefähr Ostern nicht mehr gewonnen und musste auf jede Menge Stammkräfte verzichten; Wicky, Sorin, Demel, de Jong, Kompany, und der gesperrte van der Vaart fehlten ebenso wie Stinkefinger Atouba. Bei der Alemannia gab es in der Startaufstellung keine Veränderung zum 2:1 in der Stadt des KdF-Wagen, d.h. Michael Frontzeck wählte wie auch beim 1:1 gegen Nürnberg die defensivere Variante mit der Doppelsechs - in einem Heimspiel meiner Ansicht nach keine gute Idee.
Der HSV hatte nach Freistoß Trochowski die erste Chance, als Matthias Heidrich per Kopf den eigenen Torwart prüfte. Dann setzte Boubacar Sanogo den Ball nach Kopfballvorlage von Besart Berisha über die Latte. Für die erste gute Szene auf der Gegenseite sorgte Jeffrey Leiwakabessy, der vom Strafraumeck nach innen zog und auf Marius Ebbers querlegte. Der schlenzte den Ball aus 16 Metern knapp am linken Pfosten vorbei. Unsere Defensive wirkte noch löchriger als sonst. Nach Anspiel von Sanogo stand dieses Mal Berisha frei. Stephan Straub ließ seinen Schuss abklatschen, und Sanogo setzte den Nachschuss rechts vorbei. Etwas später eroberte der in der ersten Halbzeit stärkste Alemanne Cristian Fiel den Ball und zwang Stefan Wächter aus 20 Metern zu einer Glanztat. Bei der anschließenden Ecke scheiterte auch Thomas Stehle per Kopf an Wächter. Dann wieder der HSV, Berisha wurde steil geschickt, und Stephan Straub rettete mit dem Fuß das 0:0. Nach 25 Minuten enteilte Jan Schlaudraff auf der rechten Seite der Hamburger Abwehr und bediente Marius Ebbers mit einer perfekt getimeten Hereingabe. Leider brachte der es irgendwie fertig, 150 Zentimeter vor dem leeren Tor über den Ball zu treten. Ein Raunen ging durchs Publikum, und Cristian Fiel deutete der Überdachten seinen Unmut über die Unmutsäußerungen an. Wenig später köpfte Nico Herzig den Ball nach Fiel-Freistoß nicht ins Tor, sondern vom Tor weg, und Marius Ebbers verzog volley aus fünf Metern. Ebbers hatte in der ersten Halbzeit wirklich die Pest am Arsch und legte auf der Gegenseite auch noch das 0:1 auf. Nach Freistoß Laas und Kopfball Ebbers gegen Nico Herzigs Füße bedankte sich Besart Berisha mit dem 0:1. Leider ein mittlerweile gewohntes Bild auf dem Tivoli: Der Ball liegt vor dem Würselner Wall im Tor, unsere Spieler gehen bedröppelt zum Mittelkreis, und die Gästefans jubeln. Wir konnten froh sein, mit 0:1 in die Pause zu gehen. Boubacar Sanogo scheiterte nach Anspiel von David Jarolim, bedrängt von Nico Herzig, an Stephan Straub, später setzte Alexander Laas den Ball nur knapp am Aachener Tor vorbei. Mit Pfiffen wurde die Mannschaft in die Pause verabschiedet.
Unverändertes Bild nach dem Wechsel, Matthias Lehmann verzog volley aus aussichtsreicher Position. Aus dem Spiel wollte der Ball nicht rein, und endlich einmal half ein Elfmeterpfiff. Collin Benjamin riss bei einer Reghecampf-Ecke Alexander Klitzpera um, und Schiedsrichter Gräfe hatte deutlich besser aufgepasst als seine Kollegen in den vorigen Spielen. Laurentiu Reghecampf verwandelte sicher zum 1:1. Die Alemannia schien im Aufwind zu sein, als sich Michael Frontzeck drei Minuten nach dem Ausgleich mit einem zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich anmutenden Doppelwechsel den Unmut des Publikums zuzog. Sergio Pinto kam für Thomas Stehle, und Vedad Ibisevic für Matthias Lehmann. Weitere zwei Minuten später verlor Cristian Fiel an der Seitenlinie den Ball, Mehdi Mahdavikia flankte, Stephan Straub klebte auf der Linie, Sergio Pinto blieb stehen, und Collin Benjamin nickte aus kurzer Distanz zum 1:2 ein. Die Mannschaft wirkte nun ähnlich gelähmt wie das Publikum, das sich wieder einmal in bester sing-when-you're-winning-Laune präsentierte. Trochowski und Sanogo ließen noch gute Gelegenheiten aus, bevor der eingewechselte Danijel Ljuboja nach Steilpass von Piotr Trochowski Jeffrey Leiwakabessy davonlief und unter Stephan Straub hindurch zum 1:3 verwandelte. Während die ersten Leute schon einmal Weihnachten feiern gingen, gab sich unsere Mannschaft mit der sicheren Niederlage vor Augen endlich etwas entschlossener. Sergio Pinto brachte den Ball nach innen, Stefan Wächter wehrte Laurentiu Reghecampfs Kopfball ab, und Cristian Fiel traf im zweiten Versuch zum 2:3. Auf der Gegenseite hätte Danijel Ljuboja die Partie entscheiden können, setzte den Ball aber rechts am Pfosten vorbei. Nach einer Ecke von der linken Seite verpasste Nico Herzig kurz vor Schluss noch den Ausgleich, Stefan Wächter fischte seinen Kopfball aus dem linken Eck. Als es schon nach der fünften Heimniederlage aussah, war Bastian Reinhardt bei einer Flanke von Jan Schlaudraff schneller am Ball als Marius Ebbers und köpfte das Leder zum 3:3 ins eigene Netz. Auch die Nachspielzeit verlief noch einmal turbulent, Danijel Ljuboja war von der Aachener Abwehr nicht zu bremsen und zog aus 20 Metern ab, aber Stephan Straub machte sich lang und rettete den glücklichen Punktgewinn.
Damit hat uns Bastian Reinhardt ein fröhliches Weihnachtsfest beschert, die Alemannia ist vier Punkte von Borussia Erkelenz auf dem ersten Abstiegsplatz entfernt. Die nach dem 1:3 gezeigte Moral macht Mut für die Rückrunde, eher nachdenklich stimmen Abwehrverhalten und Heimbilanz (neun Punkte aus neun Spielen).

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