So, 10.12.06:
VfL Wolfsburg - ALEMANNIA 1:2 (0:0)
Jentzsch - Möhrle, Quiroga, Hofland, Stegmayer - van der Leegte, Menseguez, Makiadi, Krzynowek (86. Santana) - Klimowicz (69. Hanke), Boakye (33. Madlung)
(Lenz - van der Heyden, Thiam, Hristov / Augenthaler)
Straub - Stehle (69. Pinto), Herzig, Klitzpera, Leiwakabessy - Heidrich (69. Ibisevic), Lehmann (46. Krontiris), Reghecampf, Fiel, Schlaudraff - Ebbers
(Nicht - Sichone, Casper, Noll / Frontzeck)

Zuschauer: 19891 (ca. 750 aus Aachen)
Gelb: van der Leegte - Lehmann, Leiwakabessy, Krontiris, Reghecampf
Gelb-Rot: Quiroga (28.; wiederholtes Foulspiel)

1:0 Madlung (50.)
1:1 Reghecampf (72.)
1:2 Herzig (77.; Reghecampf)



(Foto: Richard)















Drei Monate sind die unrühmlichen Vorfälle beim Spiel gegen Borussia München Gladbach her, und immer noch haben die Anhänger der Alemannia unter den Sanktionen zu leiden. Zur Entnazifizierung werden nicht nur bei Heimspielen die bekannten grammatikalisch fragwürdigen Spots gezeigt, vielmehr setzt die DFL Auswärtsspiele zur Abschreckung an diversen besonders abstoßenden Gedenkstätten des Faschismus an - vor zwei Wochen das Reichssportfeld zu Germania, nun die Stadt des KdF-Wagen bei Fallersleben. Hier wurden von Zwangsarbeitern im KZ Arbeitsdorf Kübelwagen, V1 und VW Käfer produziert, während die Wettkampfgemeinschaft Betriebssportgemeinschaft Volkswagenwerke Stadt des KdF-Wagen wenige Jahre nach der Gründung den Aufstieg in die Gauliga schaffte. Für den Nachfolgeverein interessierte sich jahrzehntelang keine Sau, bevor man Ende der 70er zweimal kurz in der 2. Liga Nord erfolglos am Tivoli vorbeischaute und weitere 20 Jahre später der IG-Farben-Niederlassung in Leverkusen nacheiferte und mit einigem finanziellen Aufwand den VfL Wolfenstein in der Bundesliga platzierte. Mittlerweile setzte man sich sogar eine Kopie der Meidericher Aral-Tankstelle neben die alte Kampfbahn, wo man als Gästefan ebenso dämlich in der Ecke ums Marathontor herum steht wie beim MSV. Immerhin sind die Ordner freundlich, das Stadionheft informativ und billig, und man bekommt sogar noch Schokoladennikoläuse geschenkt.
Sportlich fiel die KdF-Wettkampfgemeinschaft in dieser Saison hauptsächlich durch minimalistische 10:12 Tore auf. Markantestes Gesicht der Mannschaft ist Trainer Klaus Augenthaler, der schon den FC Bayern vor 20 Jahren durch Umtreten von Rudi Völler zum Meister machte. Ähnliche Härte wäre dieses Mal ungünstig gewesen, denn die Alemannia hatte schon genügend Ausfälle zu beklagen. Reiner Plaßhenrich, Sascha Rösler und Szilárd Nemeth fielen verletzt aus, dazu fehlte Sascha Dum nach der fünften gelben Karte, und der angeschlagene Sergio Pinto blieb zunächst auf der Bank. Neben ihm saßen unter anderem Moses Sichone und Kristian Nicht nach zuletzt eher bescheidenen Leistungen. So spielte Stephan Straub hinter der Viererkette Stehle, Herzig, Klitzpera, Leiwakabessy, Matthias Heidrich bildete zusammen mit Matthias Lehmann die schon beim 0:0 in Dortmund erfolgreich praktizierte Doppelsechs.
Die Alemannia war in der ersten Hälfte in einem insgesamt eher unterdurchschnittlichen Bundesligaspiel die aktivere und engagiertere Mannschaft. Nach einer von Matthias Heidrich verlängerten Reghecampf-Ecke bot sich Thomas Stehle am langen Pfosten die erste Chance, aber er verpasste. Jan Schlaudraff sorgte für einige Unruhe bei der BSG, Facundo Quiroga handelte sich schnell Gelb wegen Festhaltens ein. Nach einer gefühlvollen Flanke von Schlaudraff hätte Marius Ebbers aus vier Metern die Führung erzielen können, aber sein Kopfball geriet viel zu drucklos und unplatziert. Nach einer halben Stunde kam Quiroga gegen Schlaudraff erneut einen Schritt zu spät, und die Konsequenz war Gelb-Rot. Etwas später hielt der ebenfalls schon verwarnte Tom van der Leegte Cristian Fiel fest, durfte aber ebenso weiterspielen wie Matthias Lehmann nach Foul gegen Juan Menseguez. Die Alemannia stand in der Abwehr sicher, erst in der Schlussminute des ersten Durchgangs wurde es gefährlich, als Cedrick Makiadi eine Flanke mit der Fußspitze verpasste.
Für den gelb-rot-gefährdeten Matthias Lehmann kam nach dem Wechsel Emmanuel Krontiris. Wieder einmal war es jedoch der Gegner, der besser aus der Pause kam. Jeffrey Leiwakabessy verlor ein Laufduell gegen Juan Menseguez und wusste sich nur noch mit einem Foul zu helfen. Den fälligen Freistoß zirkelte Jacek Krzynowek auf den Kopf des eingewechselten Alexander Madlung. Marius Ebbers störte nicht konsequent genug, und Stephan Straub war machtlos. Die Alemannia wirkte in der Folgezeit verunsichert, nach Ballverlust von Jan Schlaudraff verpasste Cedrick Makiadi aus der Distanz nur knapp den zweiten Treffer. Zum ich glaube ersten Mal seit Eugen-Hach-Zeiten wurde "Wir wollen euch kämpfen sehen" angestimmt, und das tat die Mannschaft auch. Ein Solo von Nico Herzig wurde nach Doppelpass mit Marius Ebbers von Kevin Hofland per Foul unterbunden. Laurentiu Reghecampf nahm aus 19 Metern Maß, und endlich war auch das Glück noch einmal auf unserer Seite, Hofland fälschte den Ball zum 1:1 ins eigene Tor ab. Fünf Minuten später war es nicht etwa unser Torwart, der den spielentscheidenden Fehler machte, sondern der vom Stadionsprecher hochgejubelte Simon Jentzsch, der an einer Flanke von Laurentiu Reghecampf vorbeisegelte. Nico Herzig traf aus spitzem Winkel zum 1:2. Eine Schrecksekunde gab es noch, als Vedad Ibisevic im eigenen Strafraum beim Kopfballduell Alexander Madlung umstieß, aber an diesem Tag hatten wir sogar Glück mit dem Schiedsrichter.
Unsere Mannschaft hatte in Überzahl alles andere als gut gespielt, sich den Sieg aber durch die Einsatzbereitschaft verdient, die den emotionslos ihren Stiefel herunterspielenden Wolfensteinern abging. Die Serie von acht sieglosen Spielen wurde bezeichnenderweise auswärts beendet, wo man nunmehr mehr Punkte geholt hat als auf dem ehemals gefürchteten Tivoli. Da der Rest der Liga für uns spielte, steht bereits fest, dass die Alemannia nicht auf einem Abstiegsplatz überwintern wird. Bei einem weiteren Sieg gegen den dezimierten HSV wäre man absolut im Soll, und das nötige Selbstvertrauen dürfte jetzt auch wieder da sein - Kraft durch Freude.



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